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"Für das Wasser ist das alles gleich" Feminismus im Surfsport

Interview mit Paula

Für alle Wellenfreunde, die in Deutschland leben ist Klitmøller durchaus ein Begriff. Der kleine, gemütliche Fischerort im Norden Dänemarks trägt nicht ohne Grund den Spitznamen „Cold Hawaii“. Da man an deutschen Küsten definitiv nicht von einem Überschuss an surfbaren Spots reden kann, verschlägt es eine Vielzahl von Surfer*innen immer wieder an diesen wunderschön windigen Ort, umringt von wiegenden Dünen.



Bei dem Cold Hawaii Board Shop, der mit seinem guten Kaffee und allem was das Surfherz begehrt, zu einem Knotenpunkt der Stadt geworden ist, treffe ich Paula (Paula Ahlers). Die offene und ausgeglichene Art der jungen Sportlerin, die für das nationale Dänische Surfteam antritt, bekommt man bereits beim ersten Lächeln zu spüren. Wir setzen uns auf der hölzernen Terrasse in die saften Sonnenstrahlen, die typisch für den dänischen Sommer mehr Licht als Wärme spenden und werden noch bevor das Gespräch begonnen hat namentlich gegrüßt von Mor (Mor Meluka), dem Besitzer des Board Shops und Surf Camps. Hier, bei rund 800 Einwohner*innen, kennt man sich nunmal. 

Auf meine erste Frage, seit wann sie denn schon surft, winkt Paula bescheiden ab und meint, dass das eine gute Frage sei. 

 „Ich weiß es garnicht genau.“

 Als sie klein war habe sie das surfen noch garnicht so gepackt. Aber durch die Surffreude ihrer Eltern, hat das Wellenfieber sie mit etwa 7 Jahren dann doch erwischt. 

Geboren auf Sylt und ab dem 4. Lebensjahr in Klitmøller aufgewachsen, war das auch nur eine Frage der Zeit.

Paula ist unschlüssig was sie genau am Surfsport besonders findet, denn es gäbe so vieles. Dass es draußen auf dem Wasser stattfindet, in der frischen Luft gehört in jedem Fall dazu und, dass sie sich nach einer Surfsession immer komplett ausgeglichen fühlt.

 „Auch wenn viel Wind ist, geht man Surfen, es ist egal. Man ist so sehr mit der Natur verbunden und lernt dazu so viele Menschen kennen.“

 image by @roestprinzessin

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    Ich spreche sie darauf an, wie es für sie ist sich als Frau, wohlgemerkt zu den besten Surferinnen Dänemarks zählenden, in einer männlich dominierten Sportart aufzuhalten. 

    Bei ihrer Antwort muss ich lächeln, da ihre bodenständige Art wieder zum Vorschein kommt.

     „Also, ich möchte damit jetzt nicht sagen, dass ich gut bin, aber mir ist aufgefallen, dass, wenn man als Frau ein bisschen was kann, man schnell respektiert wird.“

    Sie gibt zu, dass dies für sie einerseits ein Vorteil sei, es andererseits aber auch nicht fair wäre, dass Frauen sich grundsätzlich mehr beweisen müssten. Es wäre wünschenswert, dass ein Unterschied in dieser Form garnicht erst gezogen wird. 

    Sie erzählt mir von Situationen in denen männliche Surfer offensichtlich die ungeschriebene Regeln des Lineups brachen und ihr bewusst die Welle klauten.

    Sie habe aber in den letzten Jahren definitiv eine positive Entwicklung hier und an den umliegenden Surfspots erkannt, da die Anzahl an weiblichen Surfenden von Jahr zu Jahr steige und es dadurch in den Augen aller „normaler“ würde.

    Sexismus scheint in der Surf-community, nicht nur zwischen einzelnen Surfenden vorzukommen, sondern ein Problem zu sein, dass sich durch das gesamte System zieht. Anerkannt und Angegangen hat hat das die World Surf League 2019, als sie Entscheidung trafen Männern und Frauen in allen von der WSL geleiteten Events, die gleiche Bezahlung zu gewährleisten. Einige Wellen die in Wettkämpfen auf den Antritt von Männlichen Sportlern reduziert wurden, aus dem Grund dass sie für weibliche Surferinnen „zu gefährlich“ wären, wurden für Frauen wieder eröffnet

    Als am am Anfang dieses Jahres angekündigt wurde, dass die Brasilianische Surferin Maya Gabeira am 11. Februar 2020 in Nazaré, Portugal mit 73,5ft den Weltrekord der größten je gesurften Welle im Womans surf gebrochen hat, wurde offiziell bewiesen, dass ein generelles Verbot für Frauen auch bei einer der gefährlichsten Wellen der Welt keinenfalls angebracht ist.

    Dass sie nebenbei den Jahres Rekord der Männlichen Kollegen, geführt von Kai Lenny übertraf, schien dabei wie ein 3,5ft hoher Bonus für den Surf-Feminismus.

    Diese Bewegung hat ihre Wellen jedoch keinesfalls in alle Bereiche des Surfsports geschlagen. Paula erinnert sich an Wettkämpfe bei denen ihre männlichen Mitstreiter etwas teures, wie eine Wasserport-Uhr, geschenkt bekommen haben und die weiblichen Gewinnerinnen lediglich ein T-shirt. Aber Paula kann über die Absurdität garnicht erst wütend werden, stattdessen lachen wir darüber. 

    Ich frage sie was ihr Tipp wäre, um mehr Gerechtigkeit im Wasser zu schaffen. Nach kurzer Überlegung sagt sie eindeutig

     „Keinen Unterschied sehen“

    Sie erklärt, dass es dem Meer nunmal auch egal sei, welches Gender du bist, wie du aussiehst, ob du alt oder jung bist, fortgeschritten oder Anfänger*in.

     „Für das Wasser ist das alles gleich.“

    Auf die Freude am miteinander und dem Spaß am Sport sollten wir uns viel mehr konzentrieren, uns ein Beispiel am Meer nehmen. 

    Nach einer Pause fügt sie hinzu

     „Und einfach lächeln.“

    Amüsiert frage ich was sie damit genau meint. 

    Paula erläutert, dass viele Menschen mit eigenen Problemen beschäftigt seien und diese auf andere projizieren würden. Das könne ganz schnell passieren, wodurch eine Kleinigkeit, die garnicht böse gemeint war, dann das potential habe zu eskalieren. Das müsse aber nicht so sein.

     „Man sollte also alles erstmal versuchen mit einem Lächeln zu klären“

    Ich Frage Paula als letztes noch, ob sie einen Tipp für Surfer*innen hat, die an sich zweifeln. 

    Was sie für mich noch zugänglicher und sympathischer macht ist, dass sie ganz ehrlich erzählt, dass sie selbst aktuell noch ein wenig enttäuscht mit sich ist, da ein Wettkampf am vorherigen Wochenende, nicht so gut für sie gelaufen sei.

    Die Danish Surf Tour (5.-6. sept.) im Nachbarort Hvide Sande sei der erste nach einer langen, covid-19 bedingten Pause, gewesen, wodurch sie sehr nervös gewesen sei. 

    Man dürfe sich aber auch nach so einem Tag nicht abschrecken lassen; nicht von dem Wellen und erstrecht nicht von Dingen die einem auf dem Wasser gesagt wurden.

    Und man müsse sich daran erinnern, dass alle anderen die meiste Zeit auf ihre ganz eigene Welle konzentriert sind und es sie garnicht interessiert, was du gerade treibst, das wievielte mal du gerade vom Board gefallen bist.

     „Außer, man ist bei einer Competition mit hunderten von Zuschauern“

    kann ich mir nicht verkneifen einzuwerfen. 

     Paula lacht. 

     „Stimmt, aber auch dann sollte es eigentlich egal sein.“

    Der Druck würde nicht helfen, wie ihr dieser Wettkampf auch gezeigt hat. Man sollte also sein bestes tun in jeder Session einfach Spaß zu haben und zu genießen, dass man gerade draußen ist.

    Während ich die Kamera raus hole, um zum Schluss ein Bild von Paula zu machen, fügt sie noch hinzu

     „Oh, und Yoga hilft sehr!“

    Wozu ich definitiv mit einem breiten Grinsen und Nicken zustimmen kann.

    Während ich den Duft von Kaffee hinter mir lasse und mich auf den Weg zum Strand mache, um noch ein paar Schnappschüsse von Klitmøller zu sammeln, gesellt sich Paula zu ihren Freunden in den Surf Shop. Sie wartet darauf abgeholt zu werden, um rüber nach Hanstholm zu fahren. Natürlich für eine kleine Nachmittags Surf Session. 

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    Pauline

    Klasse Blog. Sehr interesant und informativ

    Pauline 10/10/2020
    Pauline

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    Pauline 10/10/2020

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